Montag, 02.09.2024 – Musea Neapolitana

Am dritten Tag sind wir nach dem Frühstück gemeinsam zu dem Archäologischen Museum in Neapel losgelaufen. Vor Ort bekamen wir einen Rundgang mit unserem Guide, die uns auch bereits in der antiken Stadt Pompeji begleitete und dadurch an Vorwissen anknüpfen konnte. Sie brachte uns zu zahlreichen Exponaten, wie zum Beispiel vielen Skulpturen, darunter eine von Marcus Nonius Balbus. Als die Skulpturen während der Ausgrabungen gefunden worden waren, wurden manche von reichen Bürgern „geraubt“ und als Dekoration für ihr Zuhause genutzt, jedoch wurden sie nicht als antike Elemente anerkannt. Erst nach vielen Jahren, Ende des 18. Jahrhunderts, als sich Menschen dafür interessierten, fingen sie an zu realisieren, was für eine Bedeutung und einen Wert diese Skulpturen haben. Viele Skulpturen wurden mit den Schiffen über einen Zeitraum von 10 Jahren nach Neapel gebracht.

Diese Skulptur verkörpert eine sehr interessante Geschichte, die uns unser Guide im Museum erzählte. Es geht um eine Frau namens Antiope, die von Zeus schwanger wurde und aus ihrem Königreich verbannt worden war. Sie floh auf einen nahegelegenen Berg, wo sie sie zwei Söhne gebar, und dann kehrte sie zurück in das Königreich. Jedoch wurde sie von ihrem Vater verstoßen, aber ihr Onkel nahm sie auf. Dieser hatte eine Ehefrau namens Dirke, diese konnte Antiope nicht leiden. Sie behandelte Antiope nicht gut, z.B. brannte sie mit einem glühenden Eisen Antiopes Locken ab. Daraufhin floh sie zurück in das Gebirge und Dirke verfolgte sie und verwandelte sie in eine Kuh. Auf dem Gebirge befanden sich Antiopes Söhne, welche ihre Mutter nicht erkannten, sowie die Mutter ihre Söhne nicht. Dirke befahl den Zwillingen die Kuh an einen Stier zu binden und somit zu töten. Sie waren bereit dies umzusetzen, aber ein Hirte eilte herbei und erzählte, dass dies die Mutter der beiden war. Die Zwillinge banden nun Dirke an den Stier und somit verlor diese ihr Leben.

Besonders beeindruckend war die Darstellung von Hercules, dessen Leben durch Hera zur Hölle gemacht wurde. Hercules musste Herausforderungen bestehen, darunter das Pflücken der goldenen Äpfel. Er täuschte den Titanen Atlas, um die Aufgabe zu erfüllen. Die Statue von Hercules, mit einer Größe von 3,17 Metern, war aus einem einzigen Marmorblock angefertigt worden.

Das Museum bot auch viele Informationen über alltägliche Gegenstände aus der Antike, wie Geschirr, Instrumente oder Schmuck. Die Böden wurden mit Mosaiksteinen gestaltet, während Säulen oft mit Glaspaste verziert waren. Besonders die Farbe Lila war kostbar und stand für Macht und Reichtum.

Hier sind Küchenutensilien zu sehen. Beim Besteck gab es überraschenderweise nur Löffel, keine Gabeln oder Messer. Die Löffel waren auf einer Seite scharf, damit man damit etwas aufschneiden konnte.

Nach unserer Führung im Museum hatten wir bis 17 Uhr Freizeit. In dieser Zeit sind die meisten zurück in das B&B und haben weiter an ihren Projekten gearbeitet. Unser Programm an diesem Tag wurde um 17:30 Uhr fortgesetzt, mit einer Underground Führung in Neapel.

Ursprünglich wurde der Bunker nicht bewusst gegraben, sondern die Griechen nutzten das Material für den Bau ihrer Häuser. Als die Römer kamen, verbanden sie alle großen Löcher, die entstanden waren, zu einem Bunker. Diesen nutzten sie für die Trinkwasserversorgung in der ganzen Stadt. Irgendwann ist aber dreckiges Wasser in den Trinkwasserkanal gelaufen und vergiftete die Menschen.

Der Bunker wurde bis zum zweiten Weltkrieg nicht benutzt. Als der Krieg begann, suchten Menschen Sicherheit vor den Luftangriffen und begaben sich panisch in den Bunker. Durch die rutschigen Treppen kam es zu manchen Toden, da Menschen aufgrund der Panik von Anderen einfach überrannt wurden.

Zum Abschluss hatten wir die Möglichkeit das antike Theater im historischen Zentrum Neapels zu besichtigen, welches vollständig von Wohngebäuden überbaut ist, sodass das Theater nur noch zu erahnen ist. Hier soll schon der verrückte Kaiser Nero im 1. Jahrhundert n. Chr. seine Oden unter tosendem Applaus rezitiert haben.

Erstaunlich ist, dass Teile des antiken Theaters von einer Bürgerin unwissend jahrelang als Weinkeller und Ablageort genutzt worden ist. Dies zeigt noch einmal mehr, dass die Antike lebhaft mit der Gegenwart verbunden ist und Städte in Italien nicht nur belebte Museen, sondern Kulturerbe sind.

Insgesamt war es ein sehr lehrreicher und spannender Tag, der uns tiefe Einblicke in die antike Kunst, Geschichte und Kultur gewährte.

Von Sabina Nikonov