Lesung: Reiner Engelmann erinnert an Gräuel des NS-Terrors
Sechs Millionen ermordete Juden – allein die Zahl ist kaum fassbar. Doch wenn, Dank Reiner Engelmann, der mit Überlebenden des Holocausts gesprochen hat, aus diesen Zahlen Namen und Geschichten werden, dann wird der ganze Wahnsinn des Nazi-Terrors plötzlich persönlich.
So jüngst im Rahmen seiner Autorenlesung vor SchülerInnen der IGS Sophie Sondhelm in Bad Kreuznach. Vorab möchte ich Ihnen ein wenig über Herrn Endelmann und seine Lebensgeschichte erzählen. Geboren ist er 1951 in Völkenroth und studierte Sozialpädagogik. Er engagierte sich in sozialen Bereichen wie der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung. Nebenbei ist er auch Autor und veröffentlicht Werke wie zum Beispiel ,,Der Fotograf von Auschwitz“. Herr Engelmann erzählt hier die Geschichte von Wilhem Brasse, der als KZ-Häftling andere Häftlinge in Auschwitz fotografiert hat.
Sein Buch ,,Doch meine Seele hat Narben“, erzählt die Geschichte von Niusia Horowitz, die schon als Kind mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Er setzt sich für die Aufklärung, die wahre, grauenhafte Aufklärung über die Verbrechen der Nazis ein. ,,Erinnern für die Zukunft“, ist sein Motto.
Reiner Engelmann berichtete uns über zahlreiche Lebensgeschichten verschiedener Holocaustüberlebender. Die grausamen Schandtaten, können nicht ansatzweise in ein paar Doppelstunden Geschichtsunterricht unserer heutigen Generation nahegebracht werden. Wir waren nach der Lesung schockiert darüber, was wir alles noch gar nicht wussten.
Es gab einige Tatsachen/ Informationen, die uns besonders im Kopf geblieben sind. Zum Beispiel die Nutzung der Überreste jüdischer Opfer. Angefangen mit ihren Koffern mitsamt deren Wertsachen, die sie in Auschwitz für ,,ein neues Leben“ bräuchten, die dann direkt nach „Kanada“ transportiert wurden. Kanada waren Lager, in welchen die Wertgegenstände der Deportierten gelagert wurden. Man nannte sie Kanada, weil die Häftlinge das Raubgut als Symbol für Reichtum mit dem Land Kanada in Verbindung brachten. Selbst die Asche der verbrannten Opfer wurde als Dünger auf den Feldern um die Konzentrationslager herum verwendet. Aus den Haaren, welche ihnen nach der Selektion abgeschnitten wurden, wurden Strümpfe hergestellt. Goldzähne wurden ihnen gezogen und später zu Goldbarren geschmolzen. Wenn Juden besonders schöne Tattoos hatten, wurde ihnen die Haut bzw. ein Teil dieser abgezogen und z.B. als Lampenschirme benutzt. In fast allen Fällen starben die Häftlingen aus diesem Grund.
Einmal habe ein Häftling Geschrei gehört und einem SS-Mann Bescheid gegeben. Es war ein Baby, welches im KZ zur Welt gekommen war. Es wurde von dem SS-Mann an den Beinen genommen und mit dem Kopf an eine Stange geschlagen. Als wäre es ein Objekt. Da muss man sich die Frage stellen, wie viel Hass ein Mensch in sich tragen muss, damit er so etwas kaltblütiges tun kann. Dies ist nur ein Beispiel für viele weitere Gewalttaten.
Hinzu kommen die hygienischen Umstände. Angefangen damit, dass die Menschen auf den Transporten Richtung KZ oder Arbeitslager, wenn überhaupt, nur einen Eimer als Toilette hatten. Die Reise ging meist mehrere Tage und man hatte nicht viel Platz in diesem engen, finsteren, stickigen Viehwagon.
Aber all dies ist nur ein Bruchteil des Geschehens.
Nachdem Herr Engelmann mit Vorlesen fertig war, erzählte er uns noch von seinen eigenen Besuchen in Auschwitz und Birkenau – wie auch über die Gespräche mit den ZeitzeugInnen. Eine davon, Niusia Horowitz, durften wir selbst in Krakau treffen. Sie erzählte uns ebenfalls über ihre persönlichen Erfahrungen, was uns alle sehr berührt hat. Denn trotz alledem, saß sie vor uns und erzählte uns von ihren Narben.
Zum Schluss möchten wir Herrn Reiner Engelmann einen großen Dank und ein großes Lob aussprechen, dass er uns diese sehr gewinnbringende Möglichkeit geboten hat und sich für diese Geschichte, die nie in Vergessenheit geraten darf, so sehr einsetzt. Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass wir uns wünschen würden, häufiger Lesungen von Herrn Engelmann an unserer Schule zu bekommen, da das für alle ein großer Zugewinn ist.
